Regulierung von Mikromobilität

Erfolgsrezept für intelligenteres Bikesharing: mehr Mobilität, weniger Kosten

20. November 2025

Viele Städte stehen aktuell vor einer wichtigen Weichenstellung: Bestehende Bike-Sharing-Verträge – oft verknüpft mit teuren, proprietären Trägersystemen – laufen aus. Solche 10- bis 15-jährigen Vereinbarungen einfach zu verlängern, wäre wie der Kauf eines Faxgeräts im Zeitalter von Cloud-Computing. Gleichzeitig stehen Städten heute bessere digitale Werkzeuge, smartere Steuerungsmodelle und kosteneffizientere Optionen zur Verfügung.

Die Bausteine eines wirkungsvollen Bike-Sharing-Systems sind überschaubar: Geofencing, dynamische Regeln und Preismodelle, minimale, aber klare Beschilderung sowie anbieterneutrale Infrastruktur. Damit erhalten Städte – und auch kleinere Gemeinden – die Flexibilität, Angebote bedarfsgerecht zu skalieren, wirksame Hebel zur Steuerung des Anbieterverhaltens im Sinne öffentlicher Ziele und zugleich einen klaren Rahmen, um den öffentlichen Raum geordnet und funktional zu halten – ohne Bindung an feste Hardware oder Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern.

Die Grundlage dafür ist flexibles Parken. Über Geofencing-Zonen und digitale Parkregeln können Städte steuern, wo Fahrräder und E-Scooter abgestellt oder genutzt werden dürfen. In dicht frequentierten oder sensiblen Bereichen lässt sich das mit minimaler physischer Infrastruktur ergänzen, etwa durch markierte Flächen, Beschilderung oder gemeinsam genutzte Abstellanlagen, die nicht an einen Betreiber gebunden sind. Wichtig ist: Nicht Abstellanlagen an sich sind das Problem, sondern proprietäre, unflexible Dockingsysteme, die Wettbewerb und Innovation einschränken. Dort, wo viel Fußverkehr herrscht oder ein höheres Maß an Ordnung erforderlich ist, können neutrale Abstellanlagen sinnvoller Bestandteil des Gesamtkonzepts sein. Kommunen können dafür zum Beispiel auch Pkw-Stellplätze umwidmen und als Abstellflächen für Bikesharing-Angebote nutzen.

Als nächstes folgen dynamische Preis- und Anreizmodelle. In zentralen Stadtlagen sollten Städte von Betreibern Gebühren erheben, die den tatsächlichen Wert des öffentlichen Raums abbilden. Diese müssen nicht niedrig sein – aber so ausgestaltet, dass Anbieter wirtschaftlich arbeiten können. Die Einnahmen können anschließend gezielt eingesetzt werden, um die Versorgung in Quartieren zu unterstützen, in denen das kommerzielle Interesse geringer ist
 

Anreize sollten kontextabhängig sein – je nach Tageszeit, Nutzerdemografie oder Verkehrsmittel. So können Städte beispielsweise die Verfügbarkeit von Fahrrädern während der Schulzeiten fördern oder bestimmte Bereiche in Pendler-Spitzenzeiten gezielt unterstützen. Entscheidend ist, dass diese Anreize an Echtzeit-Verfügbarkeit und tatsächliche Nutzung gekoppelt sind – und nicht an starre Leistungszusagen.

Daten sind der Schlüssel, damit dieses System in der Praxis funktioniert. Alle Anbieter sollten standardisierte Echtzeitdaten bereitstellen und digitale Regeln verbindlich umsetzen. So können Städte Versorgungslücken erkennen, Flotten gezielt ausbalancieren und Entscheidungen zu Preisen und Regeln laufend nachschärfen. 

In kleineren Städten oder im ländlichen Raum kann ein angepasster Ansatz sinnvoll sein. Hier können Kommunen flexible Verträge ausschreiben, die den Anbieter berücksichtigen, der die größte und fairste Abdeckung anbietet. Solche Verträge sollten eine Mindestanzahl verfügbarer Fahrzeuge absichern und eine faire, transparente Preisgestaltung für Endnutzer vorsehen. Auch in diesen Kontexten können Städte an besonders nachfragestarken Standorten dynamische Parkgebühren oder Abgaben einführen – für einen angemessenen Ertrag und eine verantwortungsvolle Nutzung des öffentlichen Raums.

Das Ergebnis: mehr Mobilität bei effizienterem Mitteleinsatz. Städte können heute eine Bikesharing-Abdeckung erreichen, die mit klassischen Systemen vergleichbar ist oder diese übertrifft – bei Kosteneinsparungen von 0 % bis 50 %. Es entstehen keine langfristigen Infrastrukturbindungen, sondern eine skalierbare, anpassungsfähige Leistungserbringung. Damit gewinnen Städte Reichweite auch in bislang unterversorgten Gebieten und zusätzliche Möglichkeiten, auf sich verändernde Anforderungen im öffentlichen Raum zu reagieren.

Letztlich sind nicht Abstellanlagen das Problem, sondern starre Systeme. Mit digitalen Werkzeugen, offener Infrastruktur und flexiblen Preismodellen können Städte Bikesharing-Programme aufsetzen, die sich über Jahre hinweg skalieren, steuern und dauerhaft betreiben lassen.

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